Das Storchenjahr 2010
Aktivitäten und Neuigkeiten

2010: 62 Jungstörche [...mehr]
30 Brutpaare, Stand 1.6.2010 [...mehr]
Erstmals 30 brütende Storchenpaare [...mehr]
Die Rückkehr der Störche,
Stand 1.4.2010
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Erstmals 30 brütende Storchenpaare 

22.05.2010
Erste Jungstörche blicken über den Nestrand
Hoffnung auf ein gutes Storchenjahr
Dramatische Horstkämpfe

von Dr. Dr. Alfons Bense, Petershagen

Wie in den Vorjahren überwinterten bis zu 7 Störche im Kreisgebiet, die nachweislich bis zum Zoo Rheine auswichen, um Nahrung zu suchen. Das Aktionskomitee ›Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke‹ lehnt die Fütterung von Wildstörchen entschieden ab, um die Unabhängig-keit der Tiere vom Menschen zu wahren. Alle Störche überlebten den ungewöhnlich strengen Winter. Für die vielen Storchenfans ist der Mai die Zeit, in der mit Hoffen und Bangen auf den Storchennachwuchs geschaut wird. Immer wieder kann eine Folge nasskalter Tage besonders 10 – 14 Tage alte Nestlinge gefährden, die verklammen und an Infektionen zugrunde gehen. So starben 2009 von 66 geschlüpften Jungen fast die Hälfte noch vor dem Verlassen des Nestes.

Das aktuelle Storchenjahr begann äußerst viel versprechend. Im März waren die von den Storchenpaaren bevorzugten traditionellen Horste besetzt, im April und Anfang Mai drängten weitere Störche nach und entdeckten bislang ungenutzte Nistmöglichkeiten oder erweiterten den im Kreis genutzten Lebensraum nach Westen (Lübbecke Rauhe Horst) und Nordosten (Raderhorst, Rodenbeck, Meißen). Inzwischen sitzen erstmals seit über 80 Jahren wieder 30 Brutpaare auf ihrem Gelege oder versorgen bereits Junge (u.a. je 3 in Jössen, Nettelstedt, Hartum und Windheim). Erste kältebedingte Verluste traten bereits in Unterlübbe auf, drei tote Jungstörche. Im Vorjahr wurden 29 Paare gezählt, doch letztlich blieben 45% ohne Bruterfolg!

Erwartungen für die nächsten Jahre lösen weitere nicht brütende Störche im Gebiet aus. Ein ›Junggesellentrupp‹ von 10 und mehr umher-streifenden, noch nicht brutreifen Störchen wird überwiegend aus der Bastauniederung gemeldet, darunter erstmals ein Schweizer Storch. Auch in der Petershäger Weseraue halten sich bis zu 5 ›freie‹ Störche auf.

Storchenhauptstadt Petershagen legt zu

Petershagen konnte seine Bedeutung als Storchenhauptstadt in NRW weiter ausbauen:
12 Horste waren es 2009, 16 sind es in diesem Jahr! Zwischen Schlüsselburg im Norden und Wietersheim im Süden der Petershäger Weseraue liegen die landesweit für ihre Störche bekannten Dörfer. Besonders erfreulich sind 3 Neuansied-lungen. So brüten erstmals Störche in Raderhorst (Hugo). Das Storchennest auf der Ovenstädter Apostelkirche ist sicher einer der kreisweit schönsten und aussagekräftigsten Plätze. Am
14. April errichtete die Dachdeckerei Thäsler eine weitere Nisthilfe in Friedewalde, die noch am gleichen Tag von einem Storch angenommen wurde. Kurz später war auch dort das Paar komplett. Leider blieben die attraktiven Nistangebote in Wasserstraße (Rittergut) und Buchholz (Sprick) 2010 wieder unbesetzt. Auf dem Pfahlnest an der B 482 in Wasserstraße (Möhlenbrock) wartet ein Einzelstorch seit dem
22. April geduldig auf einen Partner. In Heimsen wurden erneut die beiden nah beieinander liegenden Horste angenommen. Am 5. April ereignete sich ein dramatischer Kampf zweier Storchenmännchen: Der Angreifer verletzte seinen Rivalen tödlich, der mit Hilfe des Steigerfahrzeuges der Stadt aus dem Nest entfernt wurde. Das neue Paar begann kurz später mit der Brut.

Im Gebiet der Gemeinde Hille nisten
8 Weißstorchpaare. Die Horste Mindenerwald II (Riechmann), Unterlübbe III (Priess und Horstmann) und Nordhemmern (Rüter) blieben 2010 leider ohne feste Ansiedlung. Das Paar aus Nordhemmern wechselte nach Eickhorst und vertrieb das dort bereits brütende Paar, dessen Eier von den neuen Besitzern abgeworfen worden.

Auf Mindener Stadtgebiet schritt die 2009 begonnene Entwicklung weiter voran: Neben Stemmer (Fischer) sitzen erstmals seit annähernd 100 Jahren auch in Rodenbeck (Mitteldamm) Störche auf ihrem Gelege. In Meißen (Borneman) bestand über Wochen der Eindruck einer Ansiedlung, die sich jedoch wieder löste.

Im Westen des Landkreises konnten sich neben
den 3 Paaren aus 2009 (Nettelstedt/Aspelmeier, Gehlenbeck/Horstmeier und Frotheim/Wittenfeld) zwei weitere platzieren: Am NABU-Moorschutzhof in Nettelstedt sowie – besonders erfreulich – auf einer Pfahlnisthilfe in der Lübbecker Rauhen Horst, wo sich Aktionskomitee und NRW-Stiftung Natur, Heimat, Kultur stark engagieren. Die Nisthilfe im Leverner Bruch beherbergte nur wenige Tage Störche und der attraktive Lebensraum um Oppenwehe blieb auch 2010 von Störchen noch weitgehend unentdeckt.

Nahrungsraum bleibt Engpass für Störche

Die positive Entwicklung der Minden–Lübbecker Störche hält also auch 2010 an. Doch letztlich wird der Bruterfolg entscheidend sein, der in den letzten Jahren regelmäßig unzureichend blieb. Der Einsatz für Erhalt und Zunahme extensiv genutzten Grünlandes, des Lebensraumes der beliebten Großvögel, bleibt daher vordringlich und die größte Herausforderung für den Weißstorchschutz in einer stark an ökonomischen Erfordernissen orientierten modernen Landwirtschaft. Für das Engagement der Storchenfreunde bietet sich das Aktionskomitee an, Informationen hier im Internet und telefonisch: 0571/807-2427 oder direkt im Westfälischen Storchenmuseum im Haus Windheim №2 in Petershagen-Windheim.




   Aktionskomitee ›Rettet die Weißstörche im Kreis Minden-Lübbecke‹ e.V.
  Portastraße 13 32423 Minden Tel. (0571) 807 24 27 Fax (0571) 807 23 25
  aktionskomitee@minden-luebbecke.de